Industriekultur

Der technische Fortschritt

„Der vorindustrielle Nagelschmied brauchte für einen Nagel eine Minute. Das sind bei einem Zwölfstundentag gerademal 700 Nägel. Pausen sind dabei kaum drin. Ein hartes Brot. Und doch brach für viele eine Welt zusammen, als plötzlich Maschinen in der Lage waren, alle Sekunde einen Nagel auszuspucken. Robotern gleich ahmen sie die Armbewegungen der Handwerker nach. 50'000 Nägel waren da eine ganz normale Tagesleistung. Heute schafft eine moderne Maschine - wie sie hier im Saal steht – noch einmal das Zehnfache: 400'000 Nägel am Tag.“

Aus: „Der Nagelschmied“ – ein Bilddokument von Rüdiger Lorenz, aus der Reihe: Filmdokumentationen über alte Handwerksberufe

Die modernen Drahtstiftepressen produzieren - je nach Maschinentyp und Nagelgrösse - zwischen 260 und 900 Stk. Nägel pro Minute. Eine einzige Drahtstiftepresse mittlerer Grösse leistet somit rund das Zehnfache der alten Schmiedehämmer.

Die 100-jährige Arbeits- und Transmissionsmaschinerie

"Die Nagelfabrik ist mit ihrer rund 100jährigen Arbeits- und Transmissionsmaschinerie eine herausragende Zeugin der schweizerischen Industriekultur. Heute ist sie in der Schweiz als Einzige noch gewerbsmässig in Betrieb. In Winterthur gehörte Heinrich Sulzer zu den Pionieren der maschinellen Nagelherstellung. In seinem Auftrag entstand 1895 das Gründergebäude der Schweizerischen Nagelfabrik AG im Grüzefeld. Das Gründergebäude und ein fünfteiliger Vertikalstiftschlagmaschinenpark aus der Gründerzeit sind noch erhalten. Die Fabrik ist heute mit zahlreichen moderneren Maschinen in Betrieb. Die Eigentümerin ist gewillt, unter finanzieller Beteiligung des Staates Zürich und der Stadt Winterthur die historisch bedeutenden Maschinen zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Integiert in einem modernen Betrieb erhält das Museum eine gesicherte Zunkunft."

Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich, Sitzung vom 28. Februar 2001






„Die zur Entstehungszeit modernste Mechanik fasziniert schon beim Zuschauen durch ihre roboterartigen Abläufe, welche bei der Übergabe von Zwischenprodukten monotone Armbewe- gungen ersetzen.“ IN.KU-Bulletin 8/September 1993

Museumsbetrieb

Bild oben: 100-jährige Vertikal- schlagmaschine zur Herstel- lung von maschinengeschmie- deten Nägeln

Bild links: WAFIOS-Drahtstifte- pressen Typ N und Typ S zur Herstellung aller üblichen Drahtstifte.

Informationen zum Museumsbetrieb

seit April 2003 eröffnet!.

Die Vertikalschlagmaschinen, welche überholt und wieder in Stand gestellt wurden, sind im Rahmen einer geführten Besichtigung der Öffentlichkeit zugänglich.

Weitere Auskünfte über InBahn Ausflüge: Tel. 052 202 77 39 - Fax 052 202 02 40
inbahn.ausfluege@bluewin.ch

Nähere Angaben unter Schaubetrieb Nagelfabrik
www.inbahn-ausfluege.ch/

Bild oben: von links nach rechts: R. Burgherr (Projekt- leiter), sein Mitarbeiter T. Kaufmann sowie W. Senn (Lehrmeister Nagelfabrik)

Bild links: Der Industrie- archäologe Dr. H.P.Bärtschi (links) und Nagli-Inhaber H. Gratwohl (Mitte) überwachen die Instandstellungsarbeiten. Rechts (sowie oben): Der Projektleiter R. Burgherr an der Arbeit.


Der frisch gewählte Winter- thurer Stadtpräsident Ernst Wohlwend hält die ersten maschinen- geschmiedeten Nägel der frisch renovierten Vertikal-Stifteschlag- maschine in der Hand. (Aufnahme vom 17. April 2002)




Alle freuen sich über das gute Vorankommen der Wieder- instandstellungsarbeiten an den 100-jährigen Maschinen (v.l.n.r: Industriearäologe Dr. H.-P. Bärtschi, Nagli-Geschäftsleiter R. Thomann, Stadtpräsident E. Wohlwend, Nagli-Lehrmeister W. Senn). Im Frühjahr 2003 soll der Museumsbetrieb der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.